BMW Welt München (4 Tage)
von Peter Gusmits
BMW Welt, BMW Museum München (12. – 15. Sept. 2009) Ein Telefonat unterbrach Ende der 1960er Jahre eine Vorlesung von Prof. Karl Schwanzer an der TU Wien. „Für mich ist heut´ schon Weihnachten – ich habe den BMW Turm gewonnen!“ rief er erfreut, als er zurückkam. Einer der Hörer dieser Vorlesung: Wolf D. Prix, später ebenfalls Professor und Vizerektor an der Universität für angewandte Kunst in Wien, sollte über 30 Jahre später, mit dem Architekturbüro Coop Himmelb(l)au, die Ausschreibung für die BMW Welt gewinnen. Nur sechs Jahre nach der Fertigstellung des Meisterwerks, ein neuer Höhepunkt für BMW: Der BMW-Club-Wien wollte sich selbst ein Bild davon machen, wie viel davon seine Mitglieder bereits finanziert haben. Wie wir noch sehen sollten, gleicht das Dach der BMW Welt einer aus einem Wirbelsturm entstandenen Wolke und ruht auf einem sich verwindenden Doppelkegel – einem „Wirbelsturm“, Symbol für Kraft und Dynamik. Zur Einstimmung auf diese architektonische Zeichensprache fuhren wir, 13 Motorräder, 15 Personen, am Samstagvormittag in permanenter Regenwolkenbegleitung. St. Pölten, Erlaufsee, Göstling, Hollenstein, Weyer, Hengstpass und Spital am Pyhrn waren die Meilensteine der nassen Fahrt bis wir mittags zufällig Ernstl, den Organisator von Toy Run, trafen. Mit ihm kam die Sonne und eine trockene Fahrt Richtung Liezen, Bad Aussee, Obertraun, Hallstatt, Gosau, Saalfelden und schließlich nach Lofer, wo wir die nächsten Tage im Landhaus Eva-Marie bestens untergebracht und versorgt wurden. Bernhard war in den Kurvenorgien auf den Dientner (sprich: Deantner) Pass daran gescheitert, die Pferde seiner Maschine länger zu bändigen. Sowohl sie gingen als auch es ging mit ihm durch, als er allem und jedem davon fuhr. Oben angekommen köchelte die Leidenschaft wieder im gewohnt grünen Bereich und er war, nicht zuletzt dank 6°C, wieder abgekühlt. Nach einer vornehmlich durch Stau auf der Münchner Autobahn geprägten Anreise sahen wir am Sonntag endlich die BMW Welt und das gegenüber liegende BMW Museum, vier in den Himmel ragende Zylinder, von Angesicht zu Angesicht. Fünf weitere Club-Mitglieder, darunter Peter, unser Obmann, waren dazu gestoßen. Eine kompetente, launige Führerin begleitete uns in eine professionell gestaltete Welt der Emotionen. Das Abholen eines neuen BMW wird durch ein ausgeklügeltes Programm zu einem Erlebnis, die Übergabe des Fahrzeugs an den Kunden zu dessen Höhepunkt hochstilisiert. Um die Brandgefahr zu reduzieren harren die Autos bei nur 14% Sauerstoff auf ihren großen Auftritt. Nicht nur deshalb bleibt den Kunden die Luft weg. Das Museum bietet entlang eines sich in die Höhe windenden Ganges, ähnlich einem überdimensionalen Ringelschwanz (Prof. Schwanzer(!)), einen Überblick über die Anfänge im Flugzeugmotorenbau (1916) über Boxer für Kräder (1923) und PKW (1928) bis zu heutigen Topmodellen, aber auch Studien von Konzeptmodellen (Prototypen? Das war gestern!). Eigene Schau-Welten faszinieren mit Überlegungen zur Zukunft mit Hybrid-, Wasserstoff- und E-Fahrzeugen, andere mit Exponaten zur Formgebung und, und, und. Man bräuchte Tage, um alles zu verarbeiten. Dauerregen am Montagvormittag verzögerte unsere geplante Rundfahrt, ein Spaziergang und ein Cafébesuch gestalteten das Warten auf Wetterbesserung kurzweilig. Der Nachmittag war ausgefüllt mit einer verkürzten Ausfahrt mit acht Motorrädern nach Dienten, Werfen, ins Berchtesgardenerland und einer Eis- und Kuchenverkostung in der überfüllten, mondänen und damit exzellent zu unserer nassen Regenbekleidung passenden Konditorei Reber in Bad Reichenhall. Wunderbares Wetter bei der Rückfahrt am Dienstag. „Toy Run“ hatte eine neue Bedeutung erlangt: der Starter von Franz E.´s Fahrzeug war seit Sonntag defekt, daher mussten zwei Kollegen, so genannte Biostarter, sein Spielzeug immer wieder in Schwung bringen. Franz auf seinem Toy, die anderen rannten. Bei Hallein zeigten die Navis einmal mehr, was Meinungsvielfalt ist: drei GPS, vier Vorschläge. Passanten grüßten uns bereits, als wir in größeren Zeitabständen immer wieder vorbei kamen. Streckenkenntnis und Landkarten halfen schließlich, besser als alle Elektronik, die wunderbar ausgeklügelte Strecke zu finden und Kurven genießend zu erleben. Nach Mond- und Attersee folgte eine Rast auf der Seeterrasse eines Gmundner Lokals. Welch kitschige Aussicht! Über Viechtwang, Leonsteig, Ternberg, Weyer nach Waidhofen/Ybbs zum letzten Halt, im Café Erb, mit köstlichem Eis. Ab da trennten sich unsere Wege. Teils auf Autobahnen, teils auf verwinkelten Nebenstraßen wurde die Heimfahrt angetreten. Es war ein bestens organisierter, beeindruckend interessanter, und unterhaltsamer Ausflug dank dreier Persönlichkeiten: Prof. Schwanzer und Prof. Prix, Experten für die Formulierung von Raumsequenzen sowie Helmut, Fachmann für die Planung einspurigen Querens öffentlicher Räume. Alle drei Meister ihres Fachs. Peter Gusmits
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