Suche nach dem Schwarzen Gold (2T)
von Peter Gusmits
Wir fanden´s. Und noch mehr! Auf neun Maschinen und in zwei Autos fanden 17 nach schwarzem Gold (nein, nicht nach Erdöl) lechzende Personen Platz. Selbst der Temperatursturz von 15 Grad hatte niemanden abgeschreckt, die Wolkendecke ließ vorerst keine Sonne durch, aber auch keinen Regen raus. Die trägen Reaktionszeiten des GPS übertrugen sich auch auf die Fahrer, was bei Wr. Neustadt für einige Meter zu einer bemerkenswerte Dichte von Geisterfahrern führte. Die kleinen, kurvigen Straßen der Buckligen Welt über Bromberg, Thernberg, Lichtenegg und Blumau nach Kirchschlag genossen wir trotz der Kälte, die sich konsequent durch unsere Kleidungsschichten arbeitete. Bei Fa. Krug in Bernstein genossen wir den in jeder Hinsicht herzlichen, warmen Empfang von Sylvia und Karl. Bei sechs Grad kamen Kaffee, Kuchen und geheizte Schauräume gerade recht. An der Grenze Burgenland/Steiermark entlang ging es, mit einem Pullover mehr (pro Person) durch die sanft hügelige, kitschig liebliche Landschaft von Oberschützen nach Wolfau, Neudau. Vor Burgau beäugten uns Sonnenschweine (unsere weitschichtigen Verwandten in Freilandhaltung), zuvor waren wir von zotteligen Schottischen Rindern kritisch gemustert worden. Fürstenfeld, Dietersdorf (bekannt durch eine Vielzahl von Radarkästen mit Tarnbemalung), Loipersdorf , Jennersdorf, Fehring und schließlich Bairisch-Kölldorf und Deutsch Goritz (man beachte die Namen!), wo wir beim Stocker bzw. zwei Häuser weiter Quartier bezogen und die Küche an ihre Kapazitätsgrenze brachten. Ein kurzer Fußmarsch (in der Sonne! Trotz katastrophaler Wetterprognose!) und wir waren in Ratschendorf, wo wir das schwarze Gold vermuteten. Vorerst aber wurden wir durch Warnschilder auf Trampeltiere – es gab deren sieben - und Dromedare (zwei) hingewiesen. Esel, Hängebauchschweine samt Ferkeln, Lamas und aufmerksame Graugänse komplettierten die Wachmannschaft für die Schätze. Inmitten eines riesigen Hofes, zu einer perfekt durchorganisierten Mostschenke gewandelt, in der sich eine Busbesatzung nach der anderen die Krüge in die Hand gibt, fanden wir auch die Ölmühle, die dem ganzen den Namen gibt. Und damit auch das schwarze Gold! Auf kaum mehr als 50 m² werden die Kürbiskerne gewaschen, getrocknet, gemahlen, geröstet und der Brei letztendlich gepresst. Von einem einzigen Mann, der das ohnehin faszinierende Geschehen allein durch seine unnachahmliche Aussprache noch zu steigern vermag. Kein Wunder, dass eine Dame ihrem Begleiter voller Verwirrung und Verzückung zum Konsum gerösteter Kerne riet: „Iss, des is guat fia dei Protasta!“ Führende Andrologen und Urologen fahnden seither fieberhaft nach dem Mann mit dieser anatomischen Besonderheit. Aber es gab weit mehr zu entdecken: Buchteln mit der Kubatur einer 800er bis 1000er, Riesenkipferl, Flaschen voll Heckenklescher, Speisenkarten in steirischem Dialekt mit ebenso unaussprechlichen wie wunderbaren Gerichten und eine schlagfertige, humorvolle Kellnerin im besten Mannesalter aus Würzburg, die jederzeit als Alleinunterhalterin auftreten könnte und selbst Günter zum Verstummen brachte. In Garagen und Gewölben gab es weitere Schätze: alte Radios, Fernseher, Straßenwalzen, Traktoren, Oldies von Mercedes und BMWs, ein Wehrmachts-KRAD, Bj 1940, sandfarben, mit Beiwagenantrieb, Gelände-, Retourgang und Differentialsperre, Eine HORAX Regina, Bj 1954, 19 PS, 350 ccm und, und, und. Dazu ein Japotetz (die Trauben im Gastgarten wurden von den Gästen, nicht von den Vögeln geraubt), ein Tipi, zwei mongolische Jurten und eine riesige Voliere. Von allem etwas, für jeden etwas, ein genialer Plan eines Kurators ist schwer auszumachen. Ob urig, kitschig oder was immer – den Besuchern gefällt´s und schmeckt´s. Am nächsten Morgen: Regen, der zur Abfahrt gnädig versiegte und den ganzen Tag nur mittels dunkler Wolken Drohgebärden sandte. Nur noch acht Maschinen und ein Auto machten sich auf den für uns Verwöhnte fahrerisch und landschaftlich vorerst zur Abwechslung wenig abwechlungsreichen Weg über Gosdorf, Mureck, Seibersdorf, Landscha. Dann wurde die Strecke, wie wir es von Helmut gewohnt waren, abwechslungsreich, kurvig und führte über Aug, Wurzing über die Lassnitzhöhe nach Weiz zum Tannerwirt, der uns, nach erstem Schreck, im Keller, abseits der normal gekleideten Gäste, mit Kaffee versorgte. Manfreds Vorschlag, den Kummerbauer Stadl für das Mittagessen zu wählen, führte zu einer Adaption der Streckenführung – egal, da hier ein Weg schöner als der andere ist. Also via Anger nach Birkfeld, in herrlicher Landschaft auf Motorrad-idealen Straßen die B 72, nach Ratten über den Feistritzsattel zum Kummerbauer Stadl auf 1.100m. GPS hatten wir nicht gebraucht, die geschulte Nase von Günter führte uns zum Mahl. Manfred, zur Abwechslung mit seiner 50 PS Micro Mouse unterwegs, war uns stets auf den Fersen geblieben! Der schattige Gastgarten – noch immer bedeckt, aber kein Regen - war zwar frei, sechs Grad (plus), bewog denn doch die Mehrheit, die Gaststube zu nutzen. Das Schlagobers auf der von Helmut wieder 1a geplanten, organisierten und geführten Ausfahrt, nämlich die Route Gloggnitz, Ternitz, Puchberg/Schneeberg, dann vom Piestintal und Pernitz ins Triestingtal nach Pottenstein in dieser urigen, kurvendominierten Landschaft mit all den Schluchten zwischen schroffem Kalkstein und schließlich über Bad Vöslau heim, genossen letztlich nur zwei: Helmut und der Chronist. Gefunden und gewonnen hatten wir alle weit mehr als das schwarze Gold; nicht nur Gegenständliches: auch jede Menge Eindrücke, die uns noch positiv beschäftigen werden. Peter Gusmits
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