Fahrt ins Blaue mit Günter Skarta
von Peter Gusmits
Pannen und ihre Vorzüge. Oft fehlt den Frau´n die Contenance Dem Fleisch der Wurzel wilde Würze Und Batterien der nöt´ge Saft – Wie leicht ist unser kleines Glück getrübt Am End´ sich´s doch zusammenfügt Und gibt die Freud´ darob uns neue Kraft Hatte Günter statt Reinhold die erste Fahrt ins Blaue organisiert, so war es diesmal umgekehrt. Acht Motorräder mit zwei Beifahrerinnen starteten von Wien West Richtung Pressbaum. Manfred auf seiner neuen R 1200 GS, der ältere Sohn auf Hermines 650 GS und Franz auf seiner neuen R 1100 RT erlebten neues Fahrgefühl, als wir auf wunderschönen Waldstraßen über Klausenleopoldsdorf, Klammhöhe, die B 18, Traisen, Eschenau, Luft nach Texing zur Jause gelangten. So wie die GS laut Manfred alles schluckt, schluckten wir u.a. Malalkofftorten. Die mit dem Zusatz- „L“. Auf ungewohntem Weg, nicht über den Grubberg, sondern unten herum, durch gewundene Pfade über Pfaffenschlag führte uns Reinhold nach Lunz am See. Wir genossen die Eisenwurzen, den Mendlingtal Rundweg – schmale kurvige Straßen zwischen waldbedeckten felsigen Schluchten, danach die flotten Kurven in einer sich öffnenden sattgrünen Landschaft von Göstling Richtung Waidhofen/Ybbs und über Hollenstein durch allerlei schluchtiges Geschlängel in Richtung Gesäuse. Ein Sandstreifen nach einer engen Rechtskurve brachte, je nach Linenführung, Vorder- oder Hinterreifen zum Rutschen und den Blutdruck in die Höh! Eine ungehobelte Dame im Garten des Reiflinger Hof in Großreifling, leider im falschen Beruf als Kellnerin tätig und unüberhörbar eine nahe Verwandte des Cerberus, ließ uns rasch umdisponieren und wenige Kilometer weiter nach Altenmarkt, in den Garten des Gasthof Jax Platz fliehen. Hier genossen wir den herrlichen Blick auf die Enns und auf Felsen thronende Villen, kurz, wir waren inmitten des märchenhaften Ambiente des Gesäuses. Dem frustrierten Servierkörper von zuvor waren wir äußerst dankbar für den Gäste vertreibenden Auftritt und die befürchtete gastronomische Panne! Hier überzeugte ein freundlicher Wirt, der wortreich Wurzelfleisch anbot. Wir mussten nur noch hoffnungsfroh selig sabbernd nicken. Schade, dass es nicht auch zu einer Verkostung kam, die Speise sei zwar gut, aber leider aus ließ die Oma durch den Junior ausrichten. Also köstliches Jäger-Fleisch, selbst wenn mancher Rind- oder Schweinefleisch bevorzugt hätte, da Jäger nicht jedermanns Sache sind; die Oma enttäuschte uns diesmal nicht. Durchs Gesäuse Richtung Norden in flotten Kurven nach Weyer, dann über Opponitz auf kaum befahrener Straße durch Wälder nach Ybbsitz. Nach dem Tanken: kein Mucks bei Reinholds GS! E = mc², wie wir Hobbyphysiker wissen. Masse hatten wir nach dem Essen genügend, auch die Beschleunigung passte, aber wo war die Energie? Die Batterie hatte das erste Jahr nicht überlebt. Also: BMW Servicecard, eine neue Batterie (man gönnt sich ja sonst nichts) in Haag vom Servicefahrzeug übernommen, im Tankrucksack nach Ybbsitz gebracht, eingebaut und mit zwei Stunden Verspätung, aber neuer Energie, nach Gresten, Purgstall, Kilb, St. Pölten und Wien. Die meterhohen Maisfelder in kräftigem Grün, die frisch gepflügten, duftenden Äcker und die gelbbraunen abgeernteten Felder hätten wir ohne diese Verzögerung nicht in diesem weichen, goldgelben nordischen Licht der untergehenden Sonne gesehen. Nach einer langen, von Reinhold kreativ geplanten und sicher geführten Fahrt in abwechslungsreicher Landschaft ging ein sonniger Spätsommertag kitschig schön zu Ende. Wie bereits mittags zum Thema Anti-Kellnerin und Wurzelfleisch festgestellt: kein Schaden ohne Nutzen! Peter Gusmits
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