Fahrt nach Furth im Walde (3 Tage)
von Peter Gusmits
Wohin fahren wir? Furth. Wo ist das? Im Wald. Drei Damen und acht Herrn auf acht Motorrädern lösten das Rätsel. Am zweiten Tag. Hundert Liter Regen/m² waren angekündigt, es wurden nur 95. Dennoch wählten wir die kürzere der zwei von Helmut vorbereiteten Strecken. Über Loosdorf und St. Leonhard am Forst nach Purgstall zur ersten Rast. Vorerst blieb es trocken. Wie die Mehlspeisen. Kurvige Straßen führten uns über sanfte Hügeln nach Euratsfeld, Seitenstetten, Steyr nach Bad Hall. Es hallte nicht im Bad, aber es begann zu nässen. Es goss wie angekündigt. Die wunderschöne Strecke über Kremsmünster, Sattledt, Offenhausen, Ried/Innkreis, Aspach, Altheim zu unserem Quartier in Braunau konnten nur Amphibien wirklich genießen. Wo sollten wir in Braunau essen? Günters Umfragen bei Passantinnen („Sind Sie Eingeborene?“ „Nein, Außerirdische“) und Evelines Ansprache junger Männer („Hier können Sie nirgends gut essen, Sie müssten nach Salzburg.“) hatten mäßigen Erfolg. Schließlich fanden wir aber einen guten Italiener und konnten auch Evelines Geburtstag mit gutem Essen und einem guten Tropfen feiern. Günter suhlte sich wieder in einem Fettnäppchen – er habe Probleme mit im Tierkreis des Löwen geborenen Frauen, hatte er der Jubilarin zuvor gestanden – und trug wie immer zu bester Stimmung bei. Regen, Regen bei unserer Fahrt am zweiten Tag über Deggendorf nach Furth im Wald (an der Grenze zwischen Bayrischem und Oberpfälzer Wald im Kreis Cham), um abends dem Drachenstich beizuwohnen. Ein Stadtspaziergang bei Sonnenschein versöhnte uns. Kostümierte Kinder und Erwachsene, Drachen in allen Schaufenstern und ein ritterliches Zeltlager sorgten für das richtige Drachenfieber und stimmten uns auf den Abend ein. Die Speisenkarte lockte mit Nudelsuppe mit Suppennudeln (womit sonst?) und Kinder-Seniorenteller (für junge Rentner?) und animierte uns, andere, noch schmackhaftere Speisen zu ordern. Und dann die Drachenstich-Aufführung! Eine professionell agierende Laienspielgruppe bot das auf der St.-Georgs-Legende basierende Stück. Im Schatten der Hussitenkriege erhebt sich jenes grauenvolle Untier, das seit Urzeiten durch einen Fluch gebannt war. Dramatische Kampfszenen, galoppierende Reiter, rasende Pferdefuhrwerke und schließlich der Furcht erregende, Feuer speiende Drache sorgen für Dramatik. Der kühne Ritter Udo tötet hoch zu Ross das Untier durch zahllose Stiche in die Zunge. Lispelten einige der Darsteller nur aus Solidarität zu dem armen Viecherl? Am dritten Tag zurück durch den Bayrischen Wald, auf traumhaft kurvigen Straßen und durch eine aufgeweichte, rutschige Baustelle mit Fahrverbot. Mit zwei Polizisten am Ende der Abenteuerrutschpartie. Sechs Motorradfahrer einer anderen verwaltungsstraffälligen Gruppe diskutierten eben mit den Ordnungshütern, als wir zu elft dazu kamen. Als hätten die beiden den leibhaftigen Drachen erblickt ließen riefen sie nur: „Schaugst, doss waider kummts! Obflug!“ Und ließen uns alle fahren. Entlang der Tschechischen Grenze, bei Schwarzenberg nach Österreich ging es in herrlicher Mühlviertler Landschaft über Ulrichsberg, Haslach, Bad Leonfeld über Reichenthal bei wunderbarem Wetter Richtung Freistadt. Kurz vor Freistadt führte der Chronist als Lotse mit seinem Gusmits-Peter-Speiseeisnavigationssystem (GPS) die an das Süße im Leben Glaubenden direkt zum Mekka der Speiseeis- und Mehlspeisenkultur der ganzen Region. Zum Lubinger in Freistadt. Ein Teil der Gruppe genoss noch gemeinsam typische Helmut´sche Güterwegsromantik. Bei Großpertholz/Abschlag besuchten wir das Fassldorf neben der Waldviertler Schmalspurbahn, dann über Ottenschlag Richtung Spitz/Donau und via Mühldorf und Himberg nach Weißenkirchen, von wo wir auf getrennten Pfaden heimwärts fuhren. Die tolle Ausfahrt (Dank an Helmut!) konnte Reinhold leider nicht filmisch festhalten. Seine Kamera hatte sich im Koffer eingeschaltet, nur Unterwäsche im Kampf mit Socken gefilmt und den Akku entleert. Der Streifen werde nie öffentlich vorgeführt werden, die Kernaussage sei wirklich nur etwas für Kult-Cineasten, meinte der enttäuschte Kreativfilmer. Peter Gusmits
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