Fahrt ins Blaue mit Werner Frank
von Peter Gusmits
Ohne Pass kein Gspaß? Ein Land, ein Kontinent im EM-Fußballfieber. Das Schengen-Übereinkommen außer Kraft gesetzt, um keinen Rowdy einreisen zu lassen. Wie z.B. uns Motorradrocker. Also: Reisepässe nicht vergesse! Das Durchdringen des Öffentlichen Raums auf meta-individueller, nämlich Club-Ebene, gelingt selten ähnlich professionell wie diesmal, da Architektur-induziert. Werners professionelle Handschrift war von Anbeginn an unverkennbar: Klare Linienführung voller Ausdruckskraft, das Funktionale stets im Auge (von BP Wien-Süd über Wr. Neudorf, Münchendorf, Loretto und über das Leithagebirge nach Eisenstadt; über Klingenbach nach Ungarn: Sopron, Fertöd Richtung Kapuvar) in einer modern-ästhetischen Raumteilung (bis auf das Leithagebirge: flach, wenige, aber markante Kurven). Das damit kausal verknüpfte relaxierende Fahren wäre auch für jene, die mit der Materie eines motorunterstützten einspurigen Fortbewegens weniger vertraut erscheinen, als beglückende Kombination aus gemeinschaftlichem Erleben und helmbedingter trappistischer Wortkargheit empfunden worden. Solcherart gelangten wir zu unserem ersten Zwischenhalt in Kapuvar. Dank pessimistischer Wetterprognosen und zugegebenermaßen starker Bewölkung war der Kreis der Auserwählten überschaubar: fünf Personen mit ebenso vielen Zweirädern labten sich an Suppen und Kaffee. Der Versuch, die Monotonie der Landschaft durch Alleen und eine Vielfalt unterschiedlich bepflanzter Felder zu mildern, ist anzuerkennen. Das Interieur der besuchten gastronomischen Oasen entsprach in seiner limitierten Kreativität zwar einerseits dem raumplanerischen Element der zu durchquerenden Ortschaften (Straßendörfer in ihrer langweiligsten Form, deren verlotterte Schlichtheit etwas abstoßend Berührendes ins sich birgt), wurde aber durch Qualität, Preiswürdigkeit und Originalität der Speisen (z.B. Kasnudeln mit Grammeln!) und damit durch Gaumen erfrischendes Bejahen des kulinarische Daseins konterkariert. Wie z.B. mittags in Mosonmagyaróván, das wir via Csorna erreichten. . Der Schlechtwetterprognose, die übrigens durch die Realität Lügen gestraft wurde - nur einige kurze Regengüsse erinnerten daran -, hatte ihr Positives: Susi war, laut Sepp, nur ob niederschlagsaverser pessimistischer Grundhaltung nicht mitgefahren und hatte somit die Zeit sinnvoll genützt. Sie hatte eine wunderbare Jause vorbereitet. In Winden am Neusiedlersee, Seeblick 21, das wir über Hegyeshálom, die Grenze, und über Nickelsdorf, Zurndorf sowie Parndorf bei strahlendem Sonnenschein erreichten. Nussschnecken, Marmeladentascherln, Früchte mit Joghurt und Pistazienkernsouce, Obst und Kaffee, beste Gastfreundschaft und nicht zuletzt ebensolche Stimmung waren der Lohn für eine entspannte Fahrt, die ins Graue begann und himmlisch unter blauem Himmel endete. Keiner vermisste das Nass, keine nicht vorhandene Grenzkontrolle einen Pass. Peter Gusmits
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