3-Länder-Tour (4 Tage)
von Peter Gusmits
Richtung Mühlviertel Beim Treffpunkt BP Wien West war die Wetterwelt noch in Ordnung: Leichter Nebel, leichtes Nieseln. Ab dem Riederberg Regen, der strömend wurde, zwischendurch starker Nebel mit Sichtweiten von lediglich einigen Dutzend Metern. Vor kurzem wandelte der Bischof von Rom, Seine Heiligkeit, der Pabst, bei ähnlichem Wetter auf der via sacra nach Mariazell. Weshalb sollten es wir Kleingläubigen auf einer via insacra zum göttlichen Weg – Stift Göttweig – besser haben? Da unsere kleine Gruppe der Wissbegierigen zu klein war, hätten wir sehr viel mehr Eintritt zahlen müssen. Was hätte wohl Jesus zu diesen Händlern im Tempel gesagt? Wir warfen sie nicht raus, wichen der Unverfrorenheit weltlicher Krämerseelen auf kirchlichem Boden und fuhren zu einem Wallfahrtsort für Zweiradfahrer: nach Egelsee. Da lachte das Herz im Leib beim Anblick der 160 Motorräder und 20 Fahrräder, die der verstorbene leidenschaftliche Sammler Kirchmayer und sein Sohn, der uns führte, gekauft und restauriert haben und in eindrucksvollen Weise präsentieren. Wer hat schon Boxermodelle von DKW, wer österreichische Marken wie Smart (rauchen auch, sind aber nicht für den Export), wer das älteste Schaustück aus 1903, eine Bock und Hollender (auf die nicht nur Holländer einen Bock hatten) gesehen? Wer kennt ein Fahrrad mit Kardanantrieb, wo sieht man auf einem Fleck britische Modelle von BSA bis Triumph, aber auch eine Matchless, wer kennt Tschechische Modelle (nicht nur Jawa) vom Beginn des 20. Jhdts? Da wir brav zu Mittag aufgegessen hatten gab es Sonnenschein bei der Fahrt auf kaum befahrenen Straßen zum Ziel, der Spitze Oberösterreichs, 970m über dem Alltag: Liebenau. Der Bikerwirt „Rocky“ hieß uns willkommen, seine Frau, die Köchin und Sylvia sorgten für uns. Letztere, vom Elternsprechtag ihrer Volksschulkinder richtig eingestimmt, war wohl deshalb für uns abgestellt… Mühlviertelrundfahrt Hans, ein Freund von Rocky, fuhr auf seiner 1800er Gold Wing voran und führte uns auf einsamen Wegen durch reizvolle Täler mit vielen Kurven und Schräglagen durch einzigartige Hügellandschaften. Man glaubt nicht, wie behänd 370kg Trockengewicht bewegt werden können, die es in der Basisversion schon um wohlfeile € 33.000 gibt. Beim Abstecher in Allerheiligen retteten wir ein in Kontemplation befindliches Pfaueunauge aus dem Aussichtsturm der 1492 entstandenen Kirche. Das Insekt, offensichtlich mit Columbus wegen des Jahres 1492 wesensverwandt, war mit gefalteten Flügeln zur Erkenntnis gelangt: Der Schmetterling lebt nicht von Andacht allein. Beim Verlassen des kirchlichen Raumes kehrte das irdische Leben zurück und er entschwand dreidimensional torkelnd ohne Rücksicht auf die StVO. Die Fahrt am Nachmittag war ähnlich eindrucksvoll wie zuvor, wechselnde Straßenverhältnisse (von trocken und griffig über feuchtes Laub bis zu verschmutzter, nasser Fahrbahn und Splitt) erforderten hohe Aufmerksamkeit beim Fahren. Die Kurven bei Königswiesen, bei St. Leonhard oder die B 19 Richtung Grein waren und sind aber immer ein Genuss! Tschechien Überall in Österreich kam die Sonne. In die Richtung, in die wir fuhren kam der Regen. Zumindest bis Ulrichsberg. Bei der Aussichtswarte Moldauwarte mit (theoretischer) Sicht auf die aufgestaute Moldau waren wir schließlich in der Wolke. Adalbert Stifters Worte aus seinen Romanen „Witiko“ oder „Der Waldgänger“ geben eine Vorstellung vom eindrucksvollen Panorama. „Die Moldau schlängelt sich wie eine schillernde Schlange durch die Landschaft“ meint er, unsere Gruppe auf ihren Fahrzeugen tat Ähnliches, nur geräuschvoller und deutlicher zu riechen. Nach dem Grenzübertritt, nur wenige Kilometer später, konnten wir selbst vom Nordufer die Landschaften bewundern, die so großen Eindruck bei dem Dichter hinterlassen haben. Die Besichtigung der mittelalterlichen Stadt Cesky Krumlov (Böhmisch Krumau; Weltkulturerbe), bei Sonnenschein, entschädigte für die feuchte Anreise. Ähnlich wie das Wetter bietet allein die Veitskirche Vielfältiges und will sich hinsichtlich Stil nicht festlegen. Von Gotik, Neugotik über Barock bis Renaissance und Rokoko ist alles in der zweitgrößten Burg- und Schlossanlage der Tschechischen Republik zu bewundern. Der Burgturm in zartem Rosa beeindruckt besonders und wird vom Burggraben aus von lebenden Braunbären bewacht. Heimfahrt Kaiserwetter. Kurvenschlängeln auf bereits vertrauten Pfaden wie Königswiesen, Ottenschlag, Dimbach, Grein. Rast auf der Terasse der empfehlenswerten Konditorei Schörgl (welch eine Auswahl und Qualität an Eis!) und dann: nach der Donauüberquerung eine der schönsten Panoramastraßen über Kollmitzberg, Viehdorf, Hart und St. Leonhard mit atemberaubenden Ausblicken schließlich nach Waidhofen/Ybbs. Auch der weiter Verlauf der Rückfahrt war vom Feinsten, kamen wir doch u.a. am Lunzer See, über Zellerein zum Erlaufsee, über Josefsberg, Wastl im Wald, Kirchberg/Pielach schließlich nach Tradigist, Traisen und in Laaben vorbei. Was hatten wir durch eine Kronen-Zeitung-Schlagzeile erfahren? „Zu viele Klopausen kosten einen Urlaubstag.“ Wir achteten darauf und hielten uns penibel an die von unserem Tourenwart Helmut ausgearbeitet Route. (Fast) ohne Pausen. Auch diese Ausfahrt hätte vielen gefallen, wir waren froh, dabei gewesen zu sein! Und irgendwann werden wir dahinter kommen, warum diese Ausfahrt den Namen Drei-Länder-Tour trug.
voriges Bild
|
nächstes Bild
Medieninhaber:
BMW Club Wien |
Bankverbindung:
Bank Austria Creditanstalt / BLZ: 12000 / Kto.Nr.: 51506033584 |
Gestaltung:
future
design